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Sprachhandeln mit Playmobilfiguren

Stotterertherapie
 

Der Präpositionen - Film

Mario* kam mit sechs Jahren an die Erich Kästner – Schule; er wurde mit 11 weiteren Kindern in die Eingangsklasse eingeschult. Im Verfahren zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs war eine deutliche Sprachentwicklungsverzögerung mit den Symptomen partielle Dyslalie (insbesondere Probleme bei der Aussprache des sch; isoliert wie auch in Verbindung mit weiteren Konsonanten) sowie Beeinträchtigungen der syntaktisch-morphologischen Sprachebene (Satzbildung und Grammatik) festgestellt worden. Mario war ein freundlicher, selbstbewusster Junge, der den Unterrichtsinhalten ohne erhebliche Schwierigkeiten folgen konnte (am Ende der E-Klasse wechselte er in die Klasse 1 der Grundschule).

Der Klassenunterricht wurde zum größten Teil von einer Kollegin durchgeführt; mit im Team war ein Kollege, der neben dem Sportunterricht (Schwerpunkt: psychomotorische Förderung) hauptsächlich für die (Einzel)-Sprachtherapie der Kinder verantwortlich war.

In einer dieser Sportstunden (Thema: Wir bauen eine Höhle aus Matten, kleinen und großen Kästen) fiel auf, dass Mario Probleme im Bereich Raum-Lage-Beziehungen hatte und die entsprechenden Präpositionen (in der Höhle, vor der Höhle, auf dem Felsen, links/rechts vom Felsen) nicht oder nicht korrekt benutzte (er wiederholte stereotyp: in die Höhle bzw. auf die Höhle/auf den Felsenvor, hinter und neben benutzte er gar nicht; rechts und links ver­wechselte er durchgängig).

 Als Konsequenz wurde in der Einzeltherapie ein kleines Video-Zauberer-Projekt durchgeführt: Mario, dem Zauberer (ein Kostüm war noch vom letzten Karneval vorhanden) gelang es mit Hilfe eines Zauberspruchs (sowie der Pausentaste der Videokamera), sich auf, vor, hinter, unter und neben (rechts bzw. links) den Tisch zu zaubern.

In der ersten Therapiestunde wurde Mario das Vorhaben zunächst erläutert, anschließend war seine Motivation entsprechend groß, zunächst den Spruch auswendig zu lernen (und dabei bereits eine entsprechende Position im Verhältnis zum Tisch einzunehmen):

Hier seht ihr mich noch vor dem Tisch,

doch – schwupp – schon bin ich auf dem Tisch.

........................

 

Mario unter dem Tisch

Bei - schwupp - wurde die Pausentaste der Videokamera betätigt: Mario stieg auf den Tisch - Kamera wieder an - Mario setzte seinen Spruch fort  – usw. - insgesamt gab es 5 Schnitte: vor dem Tisch - auf dem Tisch - hinter dem Tisch - unter dem Tisch - rechts vom Tisch - links vom Tisch.

Später erfolgte dann - nach mehreren Proben - (etwa in der dritten oder vierten Therapiestunde) die eigentliche Aufnahme, die ebenfalls mehrfach wiederholt werden musste, bis alles ‚im Kasten‘ war. Mario musste also zwangsläufig im Laufe dieser Zeit sehr oft die genannten Präpositionen praktisch anwenden (und auch zu Hause üben).

Beabsichtigte Nebeneffekte waren der häufige Gebrauch von Wörtern mit sch- und sch-Verbindungen (Tisch, schon, schwupp; der Laut war in den vorangegangenen Therapiestunden bereits angebildet worden, wurde von Mario aber im Alltag noch nicht immer korrekt artikuliert) sowie die Anwendung schwieriger Morpheme (auf dem Tisch, links vom Tisch).

 Nach Abschluss der Dreharbeiten und dem Vorführen des Films vor der Klasse wurde das Erarbeitete noch in einer Variante mit einem selbst gebauten Mini-Tisch sowie verschiedenen Playmobil-Männchen gefestigt (ebenfalls mit Video-Aufnahme).

Der Erfolg unserer Zauberer-Aktion zeigte sich ein paar Tage später, als Mario zufällig in der Nähe des Kopierers stand und mit den gelernten Präpositionen ‚spielte‘: (Das Blatt) liegt auf dem Kopierer, ich bin vor dem Kopierer, plapperte er einfach so vor sich hin.

Nicht immer sieht man den Erfolg einer Sprachtherapie so deutlich wie in diesem Fall, und oft ist der Weg auch wesentlich steiniger und von Rückschritten begleitet.

* Name wurde geändert

 

 


Darstellung einer mehrjährig durchgeführten Stotterertherapiekonzeption

erstellt und durchgeführt von G. Wistuba-Schwerfeld

Die folgende Gliederung bezieht sich auf die Darstellung eines Stotterertherapiekonzepts für einen jetzt zehnjährigen Jungen.

Dennis besucht die dritte Klasse der Erich Kästner-Schule im 4. Schulbesuchsjahr.

Die therapeutische Betreuung wurde seit Einschulungsbeginn von seiner Klassenlehrerin übernommen und konnte bis zum heutigen Zeitpunkt kontinuierlich fortgeführt werden.

Zum Zeitpunkt der Einschulung wurde eine Sprachentwicklungsstörung mit Symptomen im morphologisch-syntaktischen Bereich/Dysgrammatismus und eine schwere klonisch-tonische Stottersymptomatik festgestellt. Morphologisch-syntaktische Probleme der Sprache konnten aufgearbeitet werden.

Seit mehr als zwei Jahren liegt der Schwerpunkt der Therapie auf dem Abbau des situativ noch bestehenden Stotterns mit dem Ziel des symptomfreien Sprechens.

Die angeführten Therapiebereiche wurden im Laufe der letzten vier Jahre chronologisch mit Dennis erarbeitet. Nonverbale Therapieelemente als auch Entspannungsübungen werden zum jetzigen Zeitpunkt auch weiterhin in die gegenwärtigen Therapiesituationen mit einbezogen.

 

Konzeptionelle Übersicht der Stotterertherapie
eines jetzt 10-jährigen Jungen:

  

1. Aufbau emotionaler Stabilität und Abbau von Sprechangst und Störungsbewusstsein

1.1.     Erleben sprachfreier Kommunikation und Anwenden nonverbaler Ausdrucksmittel

1.2.    Treffen nonverbaler Entscheidungen durch Richtungsbewegungen im Raum und gestalterische Darstellung der Entscheidung z.B. in Form eines Ich-Posters
 

 

1.2.1.     Pantomime

1.2.1.1 Darstellen alltäglicher Abläufe

1.2.1.2 Gestisches Ausdrücken von Gefühlen

1.2.1.3. Darstellen motorischer Abläufe

 

1.2.2. Imaginationsmalen

1.2.2.1. Freies „Malen“ von Gegenständen in Form eines dialogischen Ratespiels

1.2.2.2. “Malen“ von Dingen/Gegenständen nach Aufforderung.

 

1.2.3. Anwenden maltherapeutischer Elemente

1.2.3.1. Lockerungstechniken durch Malen im Stehen an der Staffelei

1.2.3.2. Einüben rhythmisierender Bewegungen

1.2.3.3. Malen mit verschiedenen Materialien

1.2.3.4. Malen nach Musik

1.2.3.5. Malen nach „Fantasiereisen“ 

1.2.3.6. beidhändiges Malen

 

1.3. Atemspiele

1.3.1. Atemfantasien

1.3.2. Atemmeditation

 

1.4. Entspannungsübungen

1.4.1.Fantasiereisen

1.4.2.Entspannungsübungen mit Musik

 

 

2. Aufbau der Sprechflüssigkeit

2.1. Abbau der Diskoordination von Phonation, Artikulation und Respiration

2.1.1. Sprechzeichnen: Koordination von Atmung, Stimme, Bewegung

2.1.1.1. Sprechzeichnen mit dem Atembogen mit steigendem Schwierigkeitsgrad von einsilbigen zu mehrsilbigen Wörtern 

 

2.1.1.2. Sprechsynchrones Malen von einfachen Reimen, Satzmustern, Versen         

 

 

2.1.1.2.1 Förderung des Atem- und Sprechrhythmus

2.1.1.2.2 Förderung der Stimmqualität

2.1.1.2.3. Förderung rhythmisierender Bewegungsabläufe

2.1.1.2.4. Förderung des Sprachgedächtnisses

 

2.2. Stimmübungen in Spiel- und Sprechhandlungssituationen

2.2.1. Imitation von Tierlauten

2.2.2. Imitation von Geräuschen

2.2.3. Experimentierender Einsatz von Stimmvariationen in vorstrukturierten Sprechhandlungssituationen 

 2.3. Differenzierung „harter/weicher“ Sprechansatz und bewusste Anwendung

2.3.1. Strukturieren von Sprechhandlungssituationen mit verschiedenen Sprechleistungsstufen

2.4. Bewegungssynchrone Sprechübung

2.4.1. Ein- und zweisilbige Wörter sprechsilbensynchron klatschen

2.4.2. Mehrsilbige Wörter und Sätze sprechsilbensynchron klatschen und gehen

2.4.3. Sprechsilbensynchrone Bewegungen, z.B. gehen, hüpfen, Seil springen, schaukeln, trommeln im dialogisch geführten Sprechspiel anwenden

 

2.5. Aufbau von Körperbewusstsein durch intensives Training der     progressiven Muskelrelaxation nach E. Jacobsen nach einer      kindorientierten Version von R.Booth

2.5.1. Übungen zur Körperanspannung und Entspannung verschiedener       Körperbereiche

2.5.2. Übungen zum Transfer der Körperentspannung auf Sprechleistung und Reduzierung des Körper- und Sprecherregungsniveaus.

 

2.6. Einüben von Sprechtechniken nach dem verhaltenstherapeutischen Konzept W. Wendlandts

2.6.1. Aufbau stotterinkompatibler Sprechmuster

2.6.1.1. Stärkung der Eigenwahrnehmung und Symptomregistrierung des Stotterns

2.6.1.2. Stoppen

2.6.1.3. Willentlich Stottern

2.6.1.4. Silbenbetontes Sprechen

2.6.1.5. Fraktioniertes Sprechen

2.6.1.6. Tonvorschlagsübungen

 

2.7. Selbstsicherheitstraining durch Einüben erlernter Sprechtechniken

2.7.1. Rollenspiel in der Therapiesituation

2.7.2. Anwenden der o. g. Übungen in strukturierten Sprechhandlungssituationen im Rahmen der Einzeltherapie z.B. Dennis' „Lieblingsthema“ Dinosaurier 

2.7.3. Anwenden der o.g. Übungen im Klassenverband

2.7.4. Übertragen der erlernten Sprechtechnik auf den häuslichen Bereich

 


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